Ein kleiner Ausflug in die Geschichte:
Die Opéra-Ballet, entwickelte sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts
in Frankreich aus dem
- Ballet de
Cour, einer Gattung in der Tanz, Pantomime, Musik und Dichtung
miteinan- der verbunden waren. Es wurde am Hof von der Hofgesellschaft
- auch vom König - aufgeführt, nur einige wenige Instrumentalisten
waren Berufsmusiker (Aus dem Ballet de Cour entwickelte sich später
das klassische Ballett
- dem Comédie-Ballet,
einer dramatischen Gattung, in der die klassische französische
Comédie mit einzelnen Musiknummern und Divertissements
ausgeschmückt wurde.
- dem Divertissement,
das aus dem Ballet de Cour hervorging und Airs, gesungene Dialoge
, Ensembles und Chöre enthielt ohne stringente Handlung.
Die Opéra-Ballet
hatte in der Regel einen Prolog und drei oder vier Akte, in die
jeweils ein Divertissement eingebettet war, dessen inhalt nur locker
mit der Handlung verbunden war. Die Charaktere der Handlung entstammten
nicht der Mythologie, sondern waren Menschen von Fleisch und Blut,
in zeitgenössischen Dekorationen. Die Opéra- Ballet
enwickelte sich so zum Spiegel der sozialen und kulturellen Verhältnisse
mit häufig sehr komödiantischen Elementen.
Don Quchotte chez la Duchesse
ist ein spätes Exemplar der Opéra-Ballet. Joseph Bodin
de Boismortier, ein Zeitgenosse Rameaus, wurde 1689 in Thionville
geboren und liess sich früh in Paris nieder, wo er seit 1724
seine Werke selbst veröffentliche. Seine grosse Produktivität
und ein grosses Geschick, seine Werke - vor allem die umfängliche
Gebrauchsmusik - gut zu vermark- ten, brachten ihm grossen Reichtum
ein und zu Unrecht den Ruf, ein musikalisches Leichtgewicht zu sein.
"Don Quichotte"
hat eine aus einigen Kapiteln des Cervantes-Romans raffiniert konstruierte
doppelbödige, in ihrer Knappheit fast absurd anmutende Handlung.
Erzählt
wird die Reise durch eine künstliche Welt, in der nichts das
ist, was es scheint. Alles ist Inszenierung. Und der Spass, den
die Herzogin und ihre Hofgesellschaft sich dabei mit den beiden
"Helden" leisten, überschreitet zuweilen die Grenzen
des Zynismus. Die ganze Oper ist knapp in der Form, musikalisch
höchst abwechslungsreich, von kräftigem Humor und feiner
psychologischer Charakterisierung der Figuren.
Kritiken
"...Béatrice Jaccard und Peter Schelling haben ihre
Aufgabe aufs schönste gelöst, mit Witz und nicht versiegender
Fantasie - und sie vermitteln, was wohl bei einem solchen Stück
das Wichtigste ist, die Freude am Spass... Manchmal weiss man kaum,
wo man hinsehen oder hinhören soll, eine solche Überfülle
bietet sich einem...Diese Inszenierung lädt zum Staunen ein."
Tages-Anzeiger,
Zürich, 22.5.01
"...Don Quichotte und Sancho Pansa fliegen am Ende durch das
Weltall einem unbekannten Ziel entgegen - nicht die einzige, mit
verblüffend einfachen Mitteln der Illusion erzeugte spektakuläre
Szene der Aufführung...Das vom Ballett herkommende Regieduo
Béatrice Jaccard und Peter Schelling bettet die Tänze,
seien es Pas de deux, Ensembles oder Pantomimen, so sehr in das
burleske, farcenhafte Handlungsgerüst ein, dass sie sich mit
dem virtuellen Spiel fast in Musical-Manier zu einer untrennbaren
Einheit verbinden..."
Neue
Zürcher Zeitung, Zürich, 21.5.01
"...Opéra-Ballet wird Opera-Comic...Die Überraschung
bei der Première war, dass diese Barock-Spezialität
keineswegs einfach eine Sache von und für Spezialisten ist.
Im Gegenteil. Die Inszenierung von Béatrice Jaccard und Peter
Schelling...zeigt, dass Theater ganz elementar immer schon mit dem
spielte, was man heute virtuell und multimedial nennt. Und das macht...einfach
Spass...Die surrealen Verwandlungen werden mit Theatertechniken
realisiert, die direkt aus dem Barock-Theater stammen könnten...back
to basics - das gilt auch für die lebhafte Figurenregie und
das Spiel der nahtlos ins Geschehen integrierten Tänzer....so
einfache wie raffiniert umgesetzte Bild- und Spieleinfälle."
Neue
Luzerner Zeitung, 21.5.01
"...In diesem Geschehen ist alles virtuell - eine einzige Parodie
mit Hang zum Absurden, das immerhin poetische Momente keineswegs
ausschliesst. Ein Faden, den das Luzerner Inszenierungsteam Béatrice
Jaccard/Peter Schelling gerne aufgreift. Eigentlich sind sie Choreographen
und somit...die richtigen Leute am richtigen Platz...
Tänzerische Phantasie ist gefragt und nicht Stilau{tizität:
von gezierten, barocken Bewegungen bis zur modernen Pantomime und
hie und da sogar ein Augenzwinkern zum klassischen Stil..."
St. Galler
Tagblatt, 21.5.01
"...Béatrice Jaccard und Peter Schelling ...setzen die
Handlungen, unterstützt von der Ausstatterin Regina Gappmayr,
einfallsreich und treffsicher in Szene. Souverän spielen sie
mit dem Theater auf dem Theater, machen mit einfachen Mitteln sichtbar,
wie die Effekte gemacht sind und erzielen damit einen heutigen,
clownesken Zauber. Dabei werden die Solisten und der Chor sicher
geführt und platziert. Und mit der eigenen compagnie drift,
wieder verstärkt durch ihre vielseitigen russischen Kollegen,
setzen sie die wesentlichen szenischen und pantomimischen Akzente..."
Der Landbote,
Zürich, 22.5.01