cadavres exquis
'Cadavres exquis' ist eine Versuchsanordnung für drei Tänzerinnen, einen Tänzer und vier StreichmusikerInnen.
Choreographie/Dramaturgie: Béatrice Jaccard
Regie/Bühne: Peter Schelling
Performance/Mitarbeit Choreographie:
Béatrice Jaccard, Monica Munoz Marin, Judith Rohrbach, Marco Volta
Musik: Helga Pogatschar
MusikerInnen: Delphine Richard (1. Violine), Stéphanie Jungo (2. Violine), Valentine Ruffieux (Bratsche), Sébastien Bréguet (Cello) – Orchestre de Chambre Fribourgeois in Fribourg und Basel
Joe Rappaport (1. Violine), Luciana Beleaeva (2. Violine), Gunter Pretzel (Bratsche), Graham Waterhouse (Cello) in München und Zürich
Licht: François Gendre
Kostüme: Daphné Ineichen
Videoschnitt: Sergej Nikokochev Videotechnik: Michael Egger
Produktionsleitung/Administration: Beatrice Rossi
Eine Koproduktion von compagnie drift mit
Nuithonie – Fribourg, Schwere Reiter MUSIK – München, Theater Roxy – Basel, Tanzhaus Zürich
Première 24. Nov. 2011 Nuithonie Fribourg
Weitere Vorstellungen: Schwere Reiter, München (d), Tanzhaus Zürich (ch), Theater Roxy, Basel (ch)
Definition von 'cadavre exquis': Bezeichnet ein von den Surrealisten erfundenes Spiel, das als Wortspiel oder als Zeichenspiel gespielt wird. Aus einem der ersten in dieser Collagetechnik entstandenen Sätze stammt der Name (der Satz: 'Le-cadavre-exquis-boira-le-vin-nouveau'). Beim Zeichenspiel zeichnen mehrere Personen einen Körper; die erste Person zum Beispiel den Kopf, die zweite Oberkörper und Arme, die dritte Unterleib, die vierte die Beine, die letzte die Füsse. Damit keine sieht, was die andere tut, wird nach dem Zeichnen jeweils das Papier gefaltet, nur die Ansätze für den nächsten Abschnitt sind sichtbar. Wird das Papier auseinandergefaltet, so erscheint ein surreales Körperbild, eine Art kollektive Collage.
Wenn die Choreographen Béatrice Jaccard und Peter Schelling ihr Stück 'cadavres exquis' nennen, beziehen sie sich zwar auch auf die Technik der surrealistischen Collage aber vor allem nehmen sie den Titel im wörtlichen Sinn. Köstliche Leichen bevölkern die Bühne.
Alle diejenigen, die über einen Sinn für schwarzen Humor verfügen, werden sich freuen, wenn sie all die möglichen Variationen über das Thema Agonie sehen.
In der Ästhetik des Film Noir und mit der expressiven Gestik von Akteuren in Martial Arts Filmen wird die Zeit des Todessturzes aufs Maximum zerdehnt und das Spiel mit dem Scheintod gespielt. Dazu entwickelt Cie Drift eine ausgefeilte Bewegungssprache des Spotts und ironisiert lustvoll die Sprache des suspense thrillers. Brüske, zerhackte Bewegungen, endloses Fallen bei dem sich die Bewegungen dekonstruktivieren, Torsionen und Verdrehungen, zeitlupenartig langsame Abschnitte und Speed-up‘s entwickeln eine eigenartige Schönheit.
Das beinahe fliessbandartige Wiederholen von Todeskämpfen ist ein Mittel etwas zu verhöhnen, das eigentlich nicht wirklich lustig ist; der Schrecken wird gebannt und ins Absurde verbannt.
Die entstehenden Bilder werden wie im Zeichentrick verkettet, kontextlos und zuweilen mit starken Brüchen, mit immer wieder zum Leben erwachenden Protagonisten, wie in Videospielen.
So wie die heutigen Menschen durch die Medien unter einem Dauerbombardement von emotionalen Versatzstücken und zusammenhangslosen Bildern stehen.
Als Versöhnung bieten sich ausser dem schwarzen Humor ruhige, traumhafte, collageartig eingefügte Momente an, in denen zwischen den Toden Zärtlichkeit und Nähe entsteht.
PRESSEAUSZÜGE
'Cadavres exquis' ('Köstliche Leichen') im wahrsten Sinn des Wortes
'...Man muss die Cie Drift beim Wort nehmen. Wenn sie ihr Stück 'cadavres exquis' nennen, meinen sie zwar auch die Technik der surrealistischen Collage aber vor allem den Titel im Wortsinn. Beinahe-Leichen, in Zeitlupe sterbend, fallend und dabei ihre Bewegungen dekunstruktivierend, den Blick auf den Tod gerichtet...Ein Mittel etwas zu verhöhnen, dass in erster Linie nicht wirklich lustig ist. Gleichzeitig wird die Ästhetik des Film Noir ironisierend eingesetzt. Mit dem beinahe fliessbandartigen Wiederholen von Todeskämpfen werden diese von Cie Drift gebannt und ins Absurde verbannt. Alle diejenigen, die über einen Sinn für schwarzen Humor verfügen, werden lachen, wenn sie die 1000 möglichen Variationen über das Thema Agonie sehen. Mit brüsken, ruckartigen Bewegungen...oder auch mit der expressiven Gestik von Akteuren von Martial Arts Filmen: Um die Zeit des Todessturzes zu zerdehnen, das Spiel mit dem Scheintod zu spielen wurde eine ausgefeilte Bewegungssprache des Spottes entwickelt...Man wäre versucht, von einem konzeptuellen Stück zu sprechen wenn da nicht auch die Momente des Durchatmens wären...Momente ohne direkten Zusammenhang, die sich nun wirklich auf die surrealistische Technik der Collage beziehen...Exquisit! La Liberté, Freiburg, CH, 26.11.2010
Mit Drift im Sumpf des Absurden
'...Cie Drift hat ihren neusten Wurf gelandet...Drift setzt sich mit Makabrem, Groteskem und Absurdem auseinander; eindringliche Bilder...Das Stück schafft starke Bilder und verkettet sie wie im Zeichentrick. Weit aufgerissene Angstaugen, ausgefahrene Krallen, staubwirbelnde Rennbeine...Solche Versatzstücke von emotionalem Ausdruck bilden den Bewusstseinsstrom des heutigen Zeitgenossen. Kontextlos bombardieren sie diesen auf Plakaten und Clips. Das Bewusstsein ist schon seit langem kein Fluss mehr. Vielmehr zerhackte Eindrücke. Aber endlos wiederbelebt, wie die Kriegshelden unserer Videospiele...Drift sei für ihre intelligente Art zu choreografieren beglückwünscht...' Freiburger Nachrichten, CH, 26.11. 2010
Mit der Unterstützung von:
Kulturförderung der Stadt Zürich, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, Kanton Freiburg – Kulturförderung, Loterie Romande, Landeshauptstadt München – Kulturreferat, kulturelles.bl, Ernst Göhner Stiftung, Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr, Sophie und Karl Binding Stiftung, MIGROS Kulturprozent, Dr. Adolf Streuli-Stiftung